Mieterportrait: Origami Innovation Germany GmbH
Faserverbund neu gedacht – Origami Innovation im Startup Village Jülich
Seit Mai 2026 ist die Origami Innovation Germany GmbH Teil des Startup Village Jülich. Das junge Unternehmen entwickelt Prozess- und Fertigungslösungen für faserverstärkte Kunststoffe und unterstützt Kund:innen aus unterschiedlichsten Branchen dabei, Produktionsprozesse zu verbessern und neue Technologien zur Serienreife zu bringen. Im Gespräch erzählen die Gründer Lars Linnemann und Stephan Quadflieg, wie es zur Gründung kam, was ihre Arbeit besonders macht und warum sie sich für den Standort im Brainergy Park Jülich entschieden haben.
Stellt euch kurz vor – wer seid ihr und was macht ihr?
Wir sind Lars Linnemann, 47, und Stephan Quadflieg, 51, die Gründer der Origami Innovation Germany GmbH. Lars hat Luft- und Raumfahrttechnik in Aachen studiert und ist seit 20 Jahren im Bereich faserverstärkte Kunststoffe tätig. Stephan hat an der RWTH Aachen Konstruktionstechnik studiert und ist seit über 25 Jahren in derselben Branche zu Hause. Wir waren beide auch am IKV (Institut für Kunststoffverarbeitung der RWTH Aachen) tätig. Stephan ist unser Head of Engineering und kümmert sich um alle technischen Fragestellungen, ich bin Head of Innovation und verantwortlich für neue Lösungsansätze.
Wir kennen uns schon seit 15 Jahren und haben uns 2024 entschieden, unsere gemeinsame Engineering-Expertise in den Markt zu bringen. Gegründet haben wir im März 2025, zunächst im Homeoffice. Seit Mai 2026, also seit etwa zwei Monaten, arbeiten wir hier im Startup Village in Jülich.
Unser Schwerpunkt liegt bei faserverstärkten Kunststoffen, vor allem kohlenstofffaserverstärkte Materialien (CFK). Wir verbessern Prozesstechnik und Maschinenbau in diesem Bereich, kundenspezifisch und genau auf die jeweiligen Anforderungen zugeschnitten. Viel davon findet in der Luft- und Raumfahrt oder bei Speichertechnologien für Wasserstoff statt, aber auch überall sonst, wo Faserverbundwerkstoffe sinnvoll zum Einsatz kommen können, etwa bei Drucktanks für Wasserstoff.
Einzigartig macht uns die gebündelte Expertise, technische Tiefe und echte Prozesskompentenz mit dem klaren Anspruch, immer das Beste für unsere Kund:innen herauszuholen. Wir entwickeln nicht nur Lösungen, sondern verstehen die zugrunde liegenden Prozesse und unterstützen Unternehmen dabei, ihre Fertigung technologisch weiterzuentwickeln.
Seit den ersten Schritten Anfang 2024 hat sich mavy kontinuierlich weiterentwickelt. Das Team wurde unter anderem für den Kuer Businessplan Wettbewerb NRW ausgewählt, war 2025 auf der Hannover Messe vertreten und wird von Akteuren wie der Stadt Köln, der KfW und dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen unterstützt. Ein wichtiger Baustein auf diesem Weg war die Teilnahme am ZEBRA Investment Masterclass Programm, einem der Startup-Programme des Startup Village Jülich, die Gründungsteams gezielt auf Investorengespräche und Finanzierungsrunden vorbereiten.
Was hat euch zu Origami Innovation inspiriert – gab es einen bestimmten Moment?
Das ist eine Mischung aus persönlicher Erfahrung, fachlicher Überzeugung und bestehender Gründererfahrung. Wir haben beide vorher in Unternehmen gearbeitet, in denen uns das Entwicklungspotenzial und Raum für Fortschritt und Gestaltung gefehlt hat. Wir sind überzeugt, dass wir mit unserem Wissen und unserer Herangehensweise mehr bewirken können, als das in unserem damaligen Umfeld möglich war. Stillstand ist für uns keine Option, uns treibt echte Neugier an, die technischen Probleme unserer Kund:innen zu verstehen und daraus passende Lösungen zu entwickeln.
Wir arbeiten in einer echten Nische: nicht nur Kunststoffe, sondern speziell faserverstärkte Kunststoffe. Für die nötige Prozesstechnik gibt es kaum Lösungen von der Stange, fast alles ist Sonderanfertigung. Genau das macht für uns die perfekte Kombination aus Know-how, Erfahrung, Kreativität und Gestaltungsspielraum.
Besonders hebt sie im Startup Village Jülich die Nähe zur Wissenschaft hervor. Die Verbindung zwischen dem kaufmännischen Rüstzeug, das ein Startup braucht, und dem Wissen aus Forschung und Universität sei in Jülich besonders eng, ein Punkt, bei dem viele Regionen noch nachziehen könnten: wie man kluge Ideen aus der Universität schneller in die Praxis bringt.
Warum habt ihr euch für das Startup Village Jülich entschieden?
Der Standort liegt genau zwischen unseren Wohnorten, das hat es uns leicht gemacht. Inhaltlich passt das Umfeld hier sehr gut zu uns. Mit dem neu gegründeten Wasserstoff-Hub und den vielen Unternehmen, die mit Verbundwerkstoffen, Leichtbau und neuen Technologien arbeiten, sind wir thematisch genau richtig aufgehoben.
Und dann ist da die Community. Es ist uns wichtig, von den passenden Leuten umgeben zu sein. Hier kümmert sich jede:r umeinander, die Atmosphäre ist großartig, und egal welches Problem man hat, man bekommt schnell Hilfe und findet Anschluss.
Für welches Raumangebot im Startup Village Jülich habt ihr euch entschieden?
Wir haben uns für ein Zweierbüromodul entschieden, das passt für unsere Teamgröße sehr gut. Die Flexibilität, bei Bedarf einzelne Arbeitsplätze dazuzubuchen, schätzen wir sehr. Das Büro ist praktisch geschnitten, klimatisiert und liegt direkt am Eingang, für uns aktuell genau das richtige Angebot. Wenn wir wachsen, können wir jederzeit auf eine größere Fläche umsteigen.
Woran arbeitet ihr aktuell, und wie sieht euer Bezug zu anderen Unternehmen hier vor Ort aus?
Wir haben aktuell zwei konkrete Projekte am Laufen, weitere sind in der Pipeline. Eines betrifft Prozesstechnik und Maschinenweiterentwicklung im Raumfahrtbereich. Wir arbeiten zudem eng mit SHARP Composites in Belgien zusammen, einem Partnerunternehmen für Bauteil- und Prozessentwicklung bei Carbonfaser-Werkstoffen, sowie an einem Projekt in Südafrika, bei dem klassische Propangasflaschen nicht aus Stahl, sondern aus Glasfaserverbundwerkstoffen (GFK) hergestellt werden sollen. Wir sind also nicht ortsgebunden, sondern schon immer international tätig.
Im Umkreis des Startup Village Jülich gibt es einige Unternehmen aus unserer Branche, mit denen wir bereits vorher zusammengearbeitet haben. Nach zwei Monaten vor Ort entstehen die ersten neuen Kontakte, etwa durch Begegnungen bei Veranstaltungen wie dem Wasserstoff-Hub. Wir gehen davon aus, dass daraus mit der Zeit noch mehr wird.
Was würdet ihr Gründer:innen mit auf den Weg geben?
Scheitern ist oft kein gern gesehenes Thema, aber gerade daraus lernt man am meisten. Egal wie schlecht es gerade läuft: Kopf hochnehmen, weitermachen, Durchhaltevermögen zeigen. Und: alles aus der Community mitnehmen, was hilfreich ist.
Genauso wichtig ist es aber, ehrlich mit sich selbst zu sein. Wenn man merkt, dass etwas nicht mehr passt, auch wenn es gerade gut läuft, ist es vollkommen legitim, die Reißleine zu ziehen und sich neu zu orientieren. Niemand sollte einem daraus einen Strick drehen.
Im Umkreis des Startup Village Jülich gibt es einige Unternehmen aus unserer Branche, mit denen wir bereits vorher zusammengearbeitet haben. Nach zwei Monaten vor Ort entstehen die ersten neuen Kontakte, etwa durch Begegnungen bei Veranstaltungen wie dem Wasserstoff-Hub. Wir gehen davon aus, dass daraus mit der Zeit noch mehr wird.