Klimaanpassung als Geschäftsmodell: Khoch3 KlimaKarten macht Kommunen klimafit
„Wir haben auf jeden Fall viele Fehler gemacht, beziehungsweise nicht Fehler, sondern ein paar Umwege genommen, die wir vielleicht nicht hätten nehmen müssen. Andererseits, vielleicht hätte es ohne diese Umwege gar nicht funktioniert.“ Mit diesem Fazit blickte Janik Wischmeyer beim ZEBRA Demo-Day im Startup Village Jülich auf die vergangenen zwei Jahre zurück, in denen er gemeinsam mit Nils Derboven Khoch3 KlimaKarten aufgebaut hat. Dass ausgerechnet Janik als Keynote-Speaker auf der Bühne stand, kam nicht von ungefähr: Khoch3 KlimaKarten hatte selbst im vergangenen Jahr an einem der ZEBRA Programme des Startup Village Jülich teilgenommen. Die Förderprogramme richten sich an Startups aus den Bereichen Green-Tech, Deep-Tech und Impact und unterstützen sie auf ihrem Weg, der Demo-Day bildet dabei jeweils die Abschlusspräsentation der teilnehmenden Startups. Das Startup Village Jülich sitzt im Brainergy Park Jülich, einem interkommunalen Gewerbegebiet, das sich den Themen Neue Energien und Energiewende widmet und damit den passenden Rahmen für Startups wie Khoch3 KlimaKarten bietet. Herausgekommen ist eine Gründungsgeschichte, die zeigt, wie aus zwei Masterstudenten ohne Netzwerk ein Team mit zwölf Mitarbeitenden und einer Förderzusage über 600.000 Euro wurde.
Der Anfang: zwei Masterstudenten und eine Lücke im Markt
Khoch3 KlimaKarten wurde im Februar 2024 in Köln gegründet, von Janik Wischmeyer und Nils Derboven. Statt einem fertigen Businessplan stand am Anfang vor allem eine Frage: Was fehlt in ihrem Themenfeld noch? Kennengelernt hatten sich die beiden über einen gemeinsamen Freund aus Janiks Studium, mit dem sie schon mit 20 Jahren zu dritt an Ideen getüftelt und viel gelernt hatten. Diese Frage gingen sie einfach weiter an. Die Antwort lag in der Klimaanpassung, einem Bereich, der Anfang 2024 noch deutlich weniger im öffentlichen Bewusstsein war als heute.
Der Name Khoch3 KlimaKarten beschreibt das erste Angebot: Karten, die zum Beispiel zeigen, wo Hitze für vulnerable Gruppen besonders gefährlich wird, und die Kommunen so eine Entscheidungsgrundlage liefern. Die Zielgruppe war von Anfang an klar. Kommunen verwalten die meiste Fläche und haben den größten Hebel für Klimaanpassung in der Hand. Nur ohne bestehendes Netzwerk war der Einstieg ins B2G-Geschäft ein längerer Weg, geholfen haben vor allem Kaltakquise und der Weg über Veranstaltungen, eher ein Marathon als ein Sprint, wie Janik es beschreibt, aber darauf waren die beiden Gründer eingestellt.
Von Pilotprojekten zur Förderzusage
2024 entstanden erste kleine Projekte und Pilotkarten, vor allem in NRW. Ende 2024 stellte sich die Gründerfrage neu: Was fehlt wirklich, und was lässt sich skalieren? Aus Kartenprojekten allein wäre kein großes Startup geworden.
Anfang 2025 zogen sich Janik und Nils eine Woche in Wien zurück, wo Nils sitzt, um den Förderantrag für Grüne.Gründungen NRW zu schreiben. Die Idee dahinter: eine End-to-End-Plattform für die kommunale Klimaanpassung, die heute unter dem Namen KomAdapt läuft. Statt wie bisher Anpassungskonzepte manuell und immer wieder neu zu erstellen, meist mit dem Ergebnis von 200 Seiten in der Schublade, verbindet KomAdapt Risikoanalyse, Maßnahmenplanung, Förderzugang und Monitoring in einem Workflow, der wirklich genutzt wird.
Für den Antrag holten sich die beiden Unterstützungsschreiben von möglichst vielen Institutionen, darunter LANUK NRW und das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Am Ende kamen zwölf Unterstützerschreiben zusammen, was für die Bewilligung nach eigener Einschätzung entscheidend war. Im Sommer 2025 kam die Förderzusage über 600.000 Euro durch EFRE/JTF-Mittel in NRW, kofinanziert von der Europäischen Union.
ZEBRA Accelerator: Struktur für schnelles Wachstum
Genau in diese Zeit fiel auch die Bewerbung für den ZEBRA Accelerator. Der ZEBRA Accelerator ist eines der Startup-Förderprogramme im Startup Village Jülich. Mit dem Accelerator werden gezielt Startups unterstützt, die ihr Geschäftsmodell schärfen und typische Gründungsherausforderungen angehen wollen. Über mehrere Monate bekommen die Teams Zugang zu Workshops, Mentoring und dem Netzwerk aus Kommunen, Unternehmen und anderen Startups. Khoch3 KlimaKarten brauchte zu diesem Zeitpunkt, wie Janik es beschreibt, „irgendwie noch mal deutlich mehr Unterstützung, mehr Struktur bei allen möglichen Themen“. Im Herbst 2025 durchlief das Team das Programm im Startup Village Jülich.
Der Zeitpunkt passte gut. Aus drei Personen, darunter ein Praktikant, der über Erasmus finanziert wurde, wuchs das Team innerhalb kurzer Zeit auf zwölf Mitarbeitende. Damit kamen viele neue Fragen: rechtliche und administrative Themen, HR, Marketing, die richtige Ansprache von Kommunen. Der Accelerator half nach Janiks Einschätzung genau in dieser Wachstumsphase, Struktur in diese Themen zu bringen, und lieferte Feedback von externen Expert:innen, das bis heute nachwirkt.
Besonders wertvoll war für Khoch3 KlimaKarten das Netzwerk des Startup Village Jülich. Über Torsten Freuen, Programmmanager im Startup Village, kam eine Werkstudentin zum Team. Und Hermann Heuser, Brainergy-Botschafter und Alt-Bürgermeister der Gemeinde Niederzier, öffnete Türen zu Kommunen wie Jülich und Titz, die inzwischen zur Pilotgruppe gehören. Ein Anruf aus dem eigenen Netzwerk macht dabei einen großen Unterschied, wie Janik erklärt: „Es war deutlich einfacher, wenn jemand aus dem Netzwerk den ersten Kontakt herstellt, als selbst irgendwo bei einem Bürgermeister anzurufen.“ Den ZEBRA Accelerator schloss Khoch3 KlimaKarten mit dem ersten Platz ab.
Wo Khoch3 KlimaKarten heute steht
Seit Februar läuft das geförderte Projekt und es läuft gut. Fünf Pilotkommunen entwickeln KomAdapt gemeinsam mit dem Team, ein erstes MVP ist bereits im Einsatz. Insgesamt ist das Projekt auf rund zweieinhalb Jahre angelegt, finanziell ist das Startup damit erstmal abgesichert, ohne dass Anteile abgegeben werden mussten. Ausruhen will sich das Team trotzdem nicht: Bei diversen Förderanträgen wird gerade gespannt auf Rückmeldung gewartet.
Tipps an andere Startups
Auf die Frage, was er anderen Gründerinnen und Gründern mitgeben würde, nannte Janik zwei Dinge.
Der erste Tipp: selbstbewusster werden und sich trauen, Kommunen, Institutionen oder Unternehmen einfach anzusprechen, egal wie hochrangig sie wirken. Seine Erfahrung: „Wir haben gelernt, dass am Ende alle nur mit Wasser kochen. Auch hinter großen Institutionen stehen einfach Menschen, die denselben Antrieb haben wie wir.“ Wer nicht fragt, bekommt auch kein Nein. Mehr als eine Absage oder gar keine Antwort kann schließlich nicht passieren.
Der zweite Tipp betrifft das eigene Team und Umfeld. Aus Janiks Sicht steht und fällt das schnelle Wachstum auf zwölf Mitarbeitende auch damit, Menschen zu finden, die wirklich Lust auf die Aufgabe haben und nicht nur mitlaufen. Ein gutes Team und ein unterstützendes Umfeld drumherum machen danach den Unterschied, gerade in Phasen, in denen vieles gleichzeitig neu ist. Diese Unterstützung hat Khoch3 KlimaKarten nach eigener Aussage auch in der Green-Tech-Szene gefunden, in der sich Startups eher untereinander helfen und Kontakte weitergeben, als in Konkurrenz zueinander zu stehen. Genau ein solches Umfeld will auch das Startup Village Jülich mit seinen ZEBRA Programmen bieten: Räume, in denen Startups sich gegenseitig unterstützen, statt nur nebeneinander zu arbeiten.