Lisa Fröhlich
Experten-Interview: Prof. Dr. Lisa Fröhlich über nachhaltige Gründungen

Die Gestaltung nachhaltiger Lieferketten:
Herausforderungen und Lösungen.

Ein Interview mit Prof. Dr. habil. Lisa Fröhlich

Die Gründung eines nachhaltigen Startups erfordert neben einer innovativen Idee auch das Bewusstsein für ökologische und soziale Verantwortung. In diesem Interview mit Programmmanagerin Flora Carlhoff teilt Lisa Fröhlich, Professorin für nachhaltige Beschaffung an der CBS International Business School und Expertin für nachhaltige Lieferketten, ihre Einsichten zu den Herausforderungen und Chancen, die Startups auf dem Weg zu einer nachhaltigen Zukunft erwarten.

Die größte Herausforderung: Eine nachhaltige Vision entwickeln

Lisa, was sind Deiner Meinung nach die größten Herausforderungen bei der Gründung eines nachhaltigen Startups?

„Aus meiner Sicht ist die größte Herausforderung, eine klare Vision für ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Startups müssen von Anfang an ihr Geschäftsmodell an nachhaltigen Zielsetzungen – wie den Sustainable Development Goals (SDGs) – ausrichten. Aktuell ist die politische Lage in Deutschland, aber auch EU-weit, sehr schwierig und intransparent. Vor diesem Hintergrund sehe ich einen klaren Mehrwert von nachhaltigen Startups darin, Unternehmen auf der Reise dieser unabdingbaren nachhaltigen Transformation durch innovative Geschäftsmodell zu begleiten.“

Wachstum neu gedacht: Balance zwischen Expansion und Werten

Wie finden Startups die Balance zwischen schnellem Wachstum und der Bewahrung ihrer nachhaltigen Unternehmenswerte?

„Das Verständnis von „Wachstum“ wird sich in der Zukunft ändern und ändern müssen. Der Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt, Gewinn- und Umsatzzahlen beschreiben nur noch bedingt den Erfolg eines Unternehmens. Startups sollten direkt mit einem effektiven Strategiemodell beginnen – denn nur wenn sie nachhaltige Werte für unsere Gesellschaft generieren, werden sie langfristig erfolgreich sein. Unser Wirtschaftsverständnis bedarf dringend eines neuen Verständnisses für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum. Startups können hier ein wesentlicher Impuls für diese notwendige Veränderung leisten.“

Nachhaltige Lieferketten: Ein Muss für Startups

Wie definierst Du nachhaltige Lieferketten, und warum sind sie für Startups von besonderer Bedeutung?

„Lieferketten sind nachhaltige, wenn man die relevanten sozialen und ökologischen Risiken der Lieferkette vom Lieferanten der Rohstoffe bis hin zum Endverbraucher erkennt und versucht, eine Lösung zu finden. Nachhaltige Lieferketten sind die einzige Möglichkeit, wieder Stabilität und Sicherheit in unsere globale Lieferketten zu bekommen. Von daher sollten sich Startups von Anfang an die Frage stellen, für welchen Teil der Supply Chain sie eine nachhaltige Lösung anbieten können. Wenn es um die eigene Lieferkette von Startups geht, wird es ein wenig schwieriger. Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass Startups in den ersten Jahren nicht die notwendigen Ressourcen und Kenntnisse haben, um die eigene Lieferkette nachhaltig zu gestalten. Hier sollten wir gemeinsam Angebote entwickeln, um Startup zu befähigen und zu entlasten, wenn es um die Nachhaltigkeit ihrer eigenen Lieferketten geht.“

Erste Schritte zu einer nachhaltigen Lieferkette

Welche ersten Schritte sollten Gründer unternehmen, um sicherzustellen, dass ihre Lieferkette von Anfang an nachhaltig gestaltet ist?

„Aus meiner Sicht ist es am wichtigsten, dass Startups von Anfang an eine klare nachhaltige Strategie aufbauen und entsprechende Zielsetzung formulieren. In meinem Workshop nutze ich das „Template für die Bewertung der Nachhaltigkeitswirkung von Startups“ von Sustainability4all. Dieses Template sollte man weiter schärfen, z.B. indem man es direkt mit den SDGs verbindet. Das hat auch noch einen ganz wesentlichen Vorteil. Aufgrund der unterschiedlichen Lieferkettengesetzgebunden bombardieren reportingpflichtige Unternehmen auch Startups mit diesen völlig sinnlosen Standardfragebögen (abgeleitet aus AI-Tools), die gar nicht beantwortet werden können, da es Startups sind. Wenn man hier ein „zertifiziertes“ Template hätte, z.B. vom Bundesverband Deutsche Startups, würde man es Startups viel leichter machen, Teil nachhaltiger Lieferketten zu werden.“

Die Herausforderungen nachhaltiger Lieferketten in der Anfangsphase

Welche Herausforderungen siehst Du speziell für Startups, die nachhaltige Lieferketten in der Anfangsphase integrieren möchten?

„In Teilen habe ich diese Frage schon mit den vorherigen Ausführungen beantwortet. Startups können diesen Herausforderungen nur begegnen, wenn sie kollaborieren. Ein Accelerator wie ZEBRA könnte hier eine führende Rolle einnehmen, um Startups zu befähigen, Nachhaltigkeit in ihre Lieferketten von Anfang an zu integrieren. Sie können als zentrale Plattform für Wissens-, Ressourcen- und Expertise-Transfer dienen.“

Top-Tipps für eine wirtschaftlich nachhaltige Lieferkette

Was sind Deine Top 3 Tipps für Gründer, um Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit in der Lieferkette zu vereinen?

„Nachhaltige Startups müssen von Anfang an ein klares Bild davon haben, wo in der Lieferkette sie einen Mehrwert mit ihrer Innovation schaffen. Sie müssen kollaborieren (mit Verbänden, Experten, Universitäten …) und vor allem die nachhaltige Transformation durch ein neues Verständnis von Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit vorantreiben. Ich würde mich auch nicht mehr auf die klassischen Marketing- und Sales-Strategien verlassen, aus meiner Sicht bedarf auch das klassische Verständnis von Porters Value Chain einer Anpassung.“

Prof. Dr. habil. Lisa Fröhlich ist Expertin für die nachhaltige Lieferketten. ‚Neben ihrer Tätigkeit als Professorin hat sie den Think Tank ispira gegründet. Sie unterstützt als Referentin im ZEBRA Accelerator die Startups mit seiner Expertise.  Mehr über Lisa Fröhlich hier.

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